Erste Spuren – Letzte Bilder

Kunst- und Gestaltungstherapie im
Generationenbezug
Programm Symposium 2022

30. September / 01. Oktober 2022 in Berlin

 

FREITAG, 30.09.2022

10:00 Uhr
Begrüßung

10:30 – 11:30 Uhr
„Malen, malen, malen! Immer wieder und sofort!"
Gabriela Walterspiel
„Keep together“ nennt sich ein Präventions- und Interventionsprojekt für Erwachsene, Kinder und Jugendliche des Deutschen Rotes Kreuzes in Freiburg, das seit 2017 in zwei Flüchtlingsunterkünften durchgeführt wird. „Empowerment“ und „Ressourcenstärkung“ heißen die programmatischen Eckpunkte des vielfältigen Angebotes. Die gestaltungs- und kunsttherapeutische Arbeit mit Kindern nimmt darin einen zentralen Stellenwert ein.
Anhand von Fallgeschichten wird im Vortrag die Besonderheit des Arbeitens mit geflüchteten und traumatisierten Kindern dargestellt. Auch anhand von historischen Beispielen soll gezeigt werden, wie Bilder und andere Ausdrucksformen bei der Verarbeitung belastender Erfahrungen helfen und die Bewältigung von traumatischen Erlebnissen unterstützen.

11:45 – 12:45 Uhr
Antworten nach Auschwitz
Prof. Thomas Staroszynski
Erfahrungen aus polnisch-deutschen Seminaren für blinde und sehbehinderte Jugendliche in der internationalen Jugendbegegnungsstätte in Auschwitz
In den Seminaren, die von der internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oswiecim für Jugendliche mit Behinderungen zur Auseinandersetzung mit Auschwitz angeboten werden, ist begleitetes künstlerisches Arbeiten ein wichtiges Element, um die Verarbeitung der Erfahrungen beim Besuch der Gedenkstätten zu unterstützen. Die Frage nach einer möglichen persönlichen Antwort auf Auschwitz in der Weitergabe von Geschichte beschäftigt nicht nur die teilnehmenden Jugendlichen, sondern ebenso die Pädagog:innen und Kunsttherapeut:innen, von denen die Seminare begleitet werden.

12:45 Uhr
Mittagspause (Imbiss an der Hochschule möglich)

14:00 – 15:30 Uhr
Workshops A - G
Block I

Workshop A

Sand-Spuren
Luellin Bienert
Nach einer kurzen Einleitung können im anschließenden Gesprächsaustausch anhand von Beispielen initialer Sandbilder individuelle Spuren und Gestaltungssequenzen aus der einzeltherapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die ganz unterschiedlichen Ausdrucksmöglichkeiten des Sandspiels für die Teilnehmer:innen erfahrbar werden.

Workshop B
Familienbilder – Familiäre Interaktion in der Kunsttherapie
Anette Haas
Kunsttherapie eignet sich fabelhaft, um im gemeinsamen Gestalten familiäre Konstellationen, Rollen- und Interaktionsmuster zu erleben und sichtbar zu machen. Der praktische – und meist ungewohnte – Zugang und die sichtbaren Spuren können es erleichtern, Eigenheiten zu erkennen, zu bestärken oder zu Veränderung anzuregen. Im Workshop sollen Vorgehensweisen, Werke und Prozesse in Fallbeispielen vorgestellt und diskutiert werden

Workshop C
Kunsttherapeutische und Künstlerische Erfahrungen im Naturraum
Prof. Torsten Hoke
Dieser Workshop soll Einblicke geben und Möglichkeiten eröffnen, die im Zusammenhang mit der Nutzung natürlicher Umwelten im künstlerischen und kunsttherapeutischen Kontext entstehen. Neben der Materialebene spielen sowohl der außergewöhnliche Kontext als auch die Prozesse der Symbolisierung eine beachtenswerte Rolle.

Workshop D
Wie Kinder trauern
Andrea Fritz
Basierend auf dem Trauermodel von W. J. Worden möchte ich anhand der Darstellung einer Kindertrauergruppe die klinischen kunst- und gestaltungstherapeutischen Interventionen vorstellen.

Workshop E
Wie Eisköniginnen und Wonder Woman sich wandeln
Prof. Thomas Staroszynski
Viele Patient:innen greifen in ihren Gestaltungen auf Medienfiguren zurück um zu zeigen, wer sie sind und um ihre eigene Geschichte zu erzählen. Ein vertiefter Blick auf die zitierten Held:innen und ihre jeweiligen Verwandlungen ermöglicht zu erkennen, welch vielfältige Erzähl- und Handlungsräume sich in der Therapie durch den Einbezug dieser Figuren eröffnen können.

Workshop F
Erste und letzte Bilder – Besondere Potentiale
Prof. Dr. Christine Mechler-Schönach
Die ersten Bilder, die wir als Kinder gestalten, zeichnen sich durch eine große Unbefangenheit und schöpferische Kraft aus. Solche Potentiale treten in einem an Normen und Notwendigkeiten orientierten Erwachsenenleben oft in den Hintergrund. In fortgeschrittenem Alter öffnen sich die Tore wieder für solche schöpferischen Potentiale. Lebenslust und Gelassenheit, Gleichmut und Humor, Leichtigkeit und Un-Sinn gehören zu solchen Potentialen. Sie sind gute Voraussetzungen dafür, sich mit der ungebändigten Bildkraft der Kinder zu verbinden, mit der sich auch viele Künstler*innen zu verbinden suchen. Wie können wir als Kunsttherapeut*innen solche Potentiale im bildnerischen Gestalten unterstützen und begleiten - auch als Inspiration für die Lebensgestaltung?
Anregungen zum Erfahren solcher Potentiale auf den Wegen des Schreibens und Malens, Impulse aus der Kunst und der Theorie sowie Beispiele aus der kunsttherapeutischen Praxis sind Elemente im workshop, auf deren Basis ich zu einem Austausch der Erfahrungen der Teilnehmer*innen einlade.

Workshop G
Die Schwarzlichtmethode als Interventionsgegenstand in der Kunsttherapie
Dannica Litzen
Der Workshop gibt Einblick in die Entwicklung und Anwendung der
Schwarzlichtmethode für Menschen mit Psychoseerfahrungen in der
Kunsttherapie, im Rahmen der stationären und ambulanten Behandlung der Soteria Berlin.
Der theoretische Hintergrund und die wirksamen Aspekte der SLM wurden
unter direkten Praxisbezug beforscht und optimiert. So konnte eine
bedürfnisangepasste Intervention entstehen, die zur Integration der
subjektiven Psychoseerfahrung beitragen kann.
Neben dem theoretischen Teil, bietet der Workshop Raum für Austausch und
Selbsterfahrung mit dem Material und der Methode.

 

15:30 Uhr
Kaffeepause 

16:00 – 17:00 Uhr
Großeltern in der Familientherapie
Prof. Dr. phil. Günter Reich
Die mehrgenerationale, heute auch transgenerational genannte, Weitergabe von Einstellungen, emotionalen Befindlichkeiten, Beziehungsmustern und Traumafolgen ist inzwischen durch empirische Forschungen gut belegt. Klinische Beobachtungen beschreiben diese seit mehreren Jahrzehnten. Durch die Mehrgenerationenperspektive der psychoanalytisch orientierten Familientherapie kommen die Großeltern, deren Schicksal und aktuelles Interagieren im familiären Kontext, in den Fokus. Dies geschieht hinsichtlich der Tendenzen zur Wiederholung problematischer Muster wie der Ressourcen und salutogenetischen Potenziale der Mehrgenerationen-Beziehungen. Klinische „Typen" von Großeltern sowie Indikationen zu deren Einbeziehung in Familientherapie und -beratung werden beschrieben. Ein Behandlungsverlauf wird skizziert.

17:00 – 18:00 Uhr
Ausklang und Grußworten

18:00 Uhr
Anschließend Come together

 

SAMSTAG, 01.10.2022

9:30 – 10:30 Uhr
FOTO-GENERATIONEN-DIALOG
Nathalie Danja Streit
Dieser Vortrag widmet sich dem dialogischen Potential von Fotografien und erläutert neuzeitliche, intergenerative kunst- und fototherapeutische Herangehensweisen und Ansätze. Nathalie Streit zeigt Ihnen inspirierende Einblicke in ihr Generationenprojekt „Foto-GenerationenDialog" und fotodialogische Angebote für Menschen mit Demenz.
Fotos sind wie geschaffen, um Begegnungsprozesse zwischen Generationen zu initiieren und zu bereichern. Im gemeinsamen Blick auf Fotografien zeigen sich unterschiedliche Zeiterfahrungen als spannende Sichtweisen. Das spricht beide Generationen in ihrer Kreativität, Freiheit und Originalität an, weckt das Interesse auf das Unbekannte und baut gleichzeitig Vorurteile und Ängste ab. Das Projekt bietet Jung und Alt auf vielseitige Art eine Ausdrucksform zur Beteiligung und Mitgestaltung am gesellschaftlichen Leben.

10:45 – 11:45 Uhr
Transgenerationale Weitergabe politischer Traumatisierung in der DDR
Dr. Karl-Heinz Bomberg
Welche Folgen hat die politische Haft für die Kinder der Betroffenen?

12:00 – 13:00 Uhr
Junges Forum
Absolventinnen des Studiengangs BA Gestaltungstherape/Klinische Kunsttherapie stellen ihre Abschlussarbeiten vor:
Gefühlen malend begegnen.
Sandra Roser
Emotionsregulation in der Kunst- und Gestaltungstherapie, theoretische Hintergründe und methodische Umsetzung in Gruppen-und Einzeltherapie.
Katrin Brokow

13:00 Uhr
Mittagspause (Imbiss an der Hochschule möglich)

14:00 – 15:30 Uhr
Workshops  A - G
Block II

16:00 – 17:00 Uhr
Der haptische Gestaltbildungsprozess in der kunsttherapeutischen Arbeit mit Ton, verstanden als erste (be-)greifbare Spur des Symbolisierungsprozesses. Erläuterungen mithilfe eines klinsichen Fallbeispiels aus der Kunsttherapie.
Dr. rer.soc. Begga Hölz-Lindau
Einleitend wird die affektregulierende Funktion des Symbolisierungsprozesses und dessen Rolle im Kontext der Entwicklung erläutert. Im Anschluss daran wird es um das basale Aufgreifen, die Förderung und Unterstützung des Symbolisierungsprozesses über den haptischen Gestaltbildungsprozess der kunsttherapeutischen Arbeit mit Ton gehen. Mithilfe einer klinischen Fallvignette werden die Zusammenhänge am konkreten Beispiel dargelegt.

17:00 Uhr
Verabschiedung

17:30 – 19:30 Uhr 
Mitgliederversammlung des DAGTP e.V.

Das Symposiums wird umrahmt durch eine Ausstellung von Absolvent:innen des Studiengangs sowie einen Büchertisch der Buchhandlung Fundus

 

DIE DOZENT:INNEN

Luellin Bienert
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, graduierte Kunst- und Gestaltungstherapeutin, Sandspieltherapeutin (DGST), Weiterbildung in Integrativer Körperpsychotherapie und Musiktherapie. Langjährige Tätigkeit in der pädiatrischen Onkologie und Hämatologie. Heute in freier Praxis.

Dr. Karl-Heinz Bomberg
Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Psychoanalytiker, Liedermacher

Anette Haas
M. A. Kunsttherapie, Kinder- und Jugendlichepsychotherapeutin (i. A.), Systemische Therapeutin und Beraterin (i. A.) Tätig in der KJP, Supervisorin HKT Nürtingen

Prof. Torsten Hoke
Professor für Kunsttherapie an der HfWU Nürtingen, Dozent an der HfBK Dresden und IPK Hannover, Umweltpsychologe, Kunsttherapeut

Dr. rer. soc. Begga Hölz-Lindau
Dipl. Kunsttherapeutin, Zertifizierte Tonfeldbegleiterin, bis Feb. 2021 Gastprofessorin für Kunsttherapie HfWU Nürtingen, seit 2006 Kunsttherapeutin an der Kinder- und Jugendpsychiatrie Tübingen/Stuttgart.Diverse Publikationen.

Andrea Fritz
B. A. Gestaltungstherapeutin / Klinische Kunsttherapeutin, Ergotherapeutin, Lehrtherapeutin DAGTP, Koordinatorin Hospiz-und Palliativdienst Potsdam, Kunsttherapeutin im ambulanten und stationären Setting sowie in eigener Praxis.

Dannica Litzen
B.A. Gestaltungstherapeutin/Klinische Kunsttherapeutin, Studierende im Studiengang M.A. Interdisziplinäre Psychosentherapie an der IPU Berlin. Ergotherapeutin, Milieutherapeutin, tätig an der Soteria Berlin, Psychiatrische Uniklinik der Charite im St. Hedwig-Krankenhaus. Vorstandstätigkeiten beim Förderverein Soteria Berlin (seit 2014) und bei Galerie Art Cru Berlin (seit 2021).

Prof. Dr. Christine Mechler-Schönach
Prof. Dr.phil., Professorin für Kunsttherapie an der HKT Nürtingen (2003 - 2016) und an der HfWU Nürtingen/Geislingen (2016 - 2019); Studium der Erziehungswissenschaft und Psychologie; Weiterbildung in Kunsttherapie am IKT München; Aufbaustudium an der Akademie der Bildenden Künste in München, graduiert beim DFKGT; Lehrtätigkeit an verschiedenen Universitäten; Mitarbeit an Forschungsprojekten; Schul- und Fachbuchautorin; kunsttherapeutische Praxiserfahrungen in klinischen und pädagogischen Feldern

Prof. Dr. phil. Günter Reich
Diplompsychologe, Psychoanalytiker, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Paar- und Familientherapeut, langjähriger Leiter der Ambulanzen für Familientherapie, für Essstörungen, für Studierende und für Mitarbeiter:innen der Universität, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsmedizin Göttingen, in privater Praxis, Forschung, Lehre, Fort- und Weiterbildung tätig, zahlreiche Publikationen zur Familien- und Paartherapie, zur psychodynamischen Psychotherapie von Essstörungen

Prof. Thomas Staroszynski
Künstlerische Projekte in Kooperation mit sozialen, pädagogischen und therapeutischen Institutionen, Kunstassistenz in einer Arbeits- und Wohneinrichtung für Menschen mit Wahrnehmungsstörungen, Lehrtätigkeit an verschiedenen Hochschulen

Nathalie Danja Streit
Intermediale Kunsttherapeutin, Art psychotherapist PGD, Fachdozentin im Bereich Fototherapie und Neue Medien im intermedialen Ansatz. In ihrer vielseitigen Praxis, insbesondere mit Menschen mit Demenz, hat sie ein intergeneratives Projekt und fotodialogisches Begegnungskonzepte entwickelt

Gabriela Walterspiel
Studium der Soziologie und Politologie, Gestaltungstherapeutin / klinische Kunsttherapeutin DAGTP, graduiert im DFKGT, Lehrtherapeutin DAGTP, Lehrbeauftragte der KHSB, Erlaubnis zur Psychotherapie nach HPG. Tätigkeit als Verlagslektorin und Dozentin, seit 1998 als Kunst- und Gestaltungstherapeutin in unterschiedlichen Berufsfeldern tätig.

 

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